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Gonorrhoe
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Die Gonorrhoe (auch Gonorrhö und Gonorrhöe, von altgriechisch ÎłÎżÎœÏ῀ῄοÎčα gonĂłrrhoia, wörtlich âSamenflussâ) ist eine der hĂ€ufigsten sexuell ĂŒbertragbaren Erkrankungen. Diese bakterielle Infektionskrankheit befĂ€llt die SchleimhĂ€ute von Harn- und Geschlechtsorganen. Ausgelöst wird sie durch 1879 erstmals mikroskopisch nachgewiesene Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae), aerobe (sauerstoffabhĂ€ngige), gramnegative, bewegliche Bakterien, die als sogenannte Diplokokken paarweise auftreten.
Die umgangssprachliche Bezeichnung Tripper (entlehnt aus niederlĂ€ndisch druiper, zu niederdeutsch druipen âtropfenâ) ist seit der zweiten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts belegt.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]
Mit der Syphilis, dem weichen Schanker und der venerischen LymphknotenentzĂŒndung zĂ€hlt der Tripper zu den klassischen Geschlechtskrankheiten.cite-ref-3[3]
Contents
âą Deutschland
âą Pathogenese
âą Klinisches Bild
âą Diagnostik
âą Therapie
âą Impfung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Epidemiologie und Meldepflicht
Bei der Gonorrhoe handelt es sich um eine weltweit vorkommende, ausschlieĂlich beim Menschen auftretende sexuell ĂŒbertragbare Erkrankung. Von einer an Gonorrhoe erkrankten schwangeren Frau kann der Erreger wĂ€hrend der Geburt auf ihr Kind ĂŒbertragen werden.
Bis zum Jahr 2000 war die Erkrankung in Deutschland meldepflichtig. Die Meldepflicht wurde aufgehoben mit EinfĂŒhrung des Infektionsschutzgesetzes, welches das Bundes-Seuchengesetz und das Gesetz zur BekĂ€mpfung der Geschlechtskrankheiten ablöste.
Nach dem österreichischen Geschlechtskrankheitengesetz ist Tripper beschrÀnkt meldepflichtig (§ 4 in Verbindung mit § 1 Geschlechtskrankheitengesetz).
In der Schweiz ist Gonorrhoe ebenfalls fĂŒr Ărzte, SpitĂ€ler usw. eine meldepflichtige Krankheit und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI ĂŒber die Meldung von Beobachtungen ĂŒbertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldepflichtig ist ein positiver laboranalytischer Befund.
Die Erkrankungszahlen sind seit Ende der 1970er Jahre rĂŒcklĂ€ufig, in den 1990er Jahren gingen die Trends in Europa jedoch auseinander. In der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre meldeten Belgien, GroĂbritannien und Frankreich eine Zunahme der Erkrankungen, in anderen LĂ€ndern blieb die Inzidenz dagegen gleich oder war rĂŒcklĂ€ufig.
Weltweit stellt die Gonorrhoe ein groĂes gesundheitliches Problem dar. Nach SchĂ€tzungen der Weltgesundheitsorganisation liegt die Zahl der Neuerkrankungen jedes Jahr bei 60 Millionen,cite-ref-who-epi-4-0[4] das ist ungefĂ€hr ein Prozent der Weltbevölkerung.
Deutschland
Es gibt in Deutschland etwa 11 bis 25 Erkrankte je 100.000 Einwohner beziehungsweise ungefÀhr 10.000 bis 20.000 FÀlle pro Jahr. Im Jahr 2000 gab es 2.000 gemeldete FÀlle.cite-ref-eurosurveillance-germany-5-0[5] In Sachsen stieg die Zahl der Infektionen je 100.000 Einwohner von 6,8 im Jahr 2003 auf 14,3 im Jahr 2010 an.cite-ref-6[6] Das Robert Koch-Institut schÀtzt eine Dunkelziffer nicht gemeldeter FÀlle in den 1990er Jahren von 85 Prozent.cite-ref-rki-epi-7-0[7]
Vereinigte Staaten von Amerika
In den Vereinigten Staaten gab es im Jahr 2007 115,6 Erkrankte je 100.000 Einwohner. Im Vergleich zu 2004 (112,4 Erkrankte je 100.000 Einwohner) ist das ein leichter Anstieg, nachdem die Anzahl der Erkrankten in den Vereinigten Staaten zwischen 1997 und 2004 annĂ€hernd gleich geblieben war und zwischen 1975 und 1997 auf Grund staatlicher Kontrollprogramme um 74 Prozent zurĂŒckgegangen war.cite-ref-cdc-epidem-8-0[8]
Pathogenese
Die Bakterien heften sich an die Schleimhautzellen der Harnröhre beziehungsweise des GebĂ€rmutterhalses an. Dazu dienen spezielle Pili, aus Proteinen bestehende fadenförmige FortsĂ€tze an der Bakterienwand. Dabei spielt das AdhĂ€sin Pilin eine groĂe Rolle.
Manche StĂ€mme regen die Schleimhautzellen dazu an, sie aufzunehmen (Phagozytose) und auf der anderen Lumen-abgewandten Seite wieder auszuwerfen. Dieser Prozess wird als Transzytose bezeichnet. Die Phagozytose wird durch Opa-Proteine (fĂŒr opacity âTrĂŒbungâ, da sie die Kolonien trĂŒbe erscheinen lassen) induziert.
Gonokokken werden von Granulozyten (Zellen des Immunsystems) phagozytiert und können daher vom Körper meist auch abgetötet werden. Nur ein Teil ĂŒberlebt in den Zellen. Die GewebeschĂ€digung erfolgt durch Auslösen einer eitrigen EntzĂŒndung mit Komplementaktivierung und dadurch bedingter Zerstörung der befallenen Deckzellen. DafĂŒr scheint vor allem das Lipopolysaccharid der Bakterienzellwand eine groĂe Rolle zu spielen.
Klinisches Bild
Die Inkubationszeit betrĂ€gt zumeist zwei bis drei Tage, mitunter können aber bis zu sieben Tage vergehen. Bei etwa fĂŒnf Prozent der Betroffenen treten trotz Infektion keinerlei Symptome auf. Diese asymptomatischen Infizierten haben selbst zwar keine Krankheitserscheinungen, können jedoch andere Personen anstecken.
Beim Mann kommt es zur HarnröhrenentzĂŒndung (Urethritis) mit Juckreiz, eitrigem Ausfluss (oft morgens als sogenannter âBonjour-Tropfenâ, nicht zu verwechseln mit dem Lusttropfen) und Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie). Vor EinfĂŒhrung von Antibiotika hielten die Symptome der Urethritis etwa acht Wochen an. Seltene Komplikationen sind EntzĂŒndungen der Nebenhoden (Epididymitis) und der Prostata (Prostatitis), als Folge kann sich Unfruchtbarkeit entwickeln.
Bei Frauen lĂ€sst sich die Inkubationszeit nicht genau festlegen, die Symptome treten aber zumeist nach etwa zehn Tagen auf. Hier kann zusĂ€tzlich eine EntzĂŒndung des GebĂ€rmutterhalses mit eitrigem Ausfluss (mukopurulente Cervicitis) hinzukommen. EntzĂŒndungen der Vaginalschleimhaut treten nur in sehr seltenen FĂ€llen auf, ebenso EntzĂŒndungen der Bartholinschen DrĂŒsen. Befallene GebĂ€rmutterschleimhaut und die Eileiter können verkleben, was zur SterilitĂ€t fĂŒhren kann. Im schlimmsten Fall kann sich die Gonokokkeninfektion auf das Bauchfell ausbreiten.
Die Gonokokken können auch durch Oral- oder Analverkehr ĂŒber die Rachen- oder Mastdarmschleimhaut ĂŒbertragen werden. Eine Ăbertragung vom Rachen zu anderen Sexualkontakten ist selten.
Eine Gonokokkeninfektion der Augen (Okulare Gonorrhoe, âAugentripperâ) wird bei Erwachsenen zumeist durch Selbstinokulation, also durch Reiben der Augen nach dem BerĂŒhren infizierter Genitalien verursacht. Die Infektion kann schwerwiegend verlaufen, aber auch milde und asymptomatische VerlĂ€ufe sind möglich. Symptome sind stark geschwollene Augenlider, starke HyperĂ€mie (erhöhte Durchblutung) und starke Eiterbildung. Lytische Enzyme von infiltrierenden Granulozyten der Immunantwort können gelegentlich GeschwĂŒrbildung an der Cornea verursachen, in ernsten FĂ€llen sogar Perforationen. Hier sind eine schnellstmögliche Diagnose und Behandlung erforderlich.
Gonokokkeninfektionen wĂ€hrend der Schwangerschaft können ernsthafte Komplikationen zur Folge haben. Im ersten Trimester können EntzĂŒndungen von Bauchfell und Eileiter den Verlust des Fötus zur Folge haben, im zweiten und dritten Trimester sind aufsteigende Infektionen eher selten, da ein Schleimpfropf die GebĂ€rmutter verschlieĂt. Die hĂ€ufigste Art der Erkrankung von Neugeborenen nach einer Ansteckung durch die Mutter ist die Gonoblennorrhoe (auch Ophthalmia neonatorum), eine Infektion der Augen, resultierend aus dem Kontakt mit Krankheitserregern in den Sekreten der GebĂ€rmutter. Blindheit kann die Folge sein. Um dies zu vermeiden, wird direkt nach der Geburt eine CredĂ©-Prophylaxe (âAugentripperprophylaxeâcite-ref-9[9]) durchgefĂŒhrt, bei der Augentropfen verabreicht werden, die eine antibakterielle Wirkung haben. Andere, seltenere Manifestationen bei Neugeborenen sind EntzĂŒndungen der SchleimhĂ€ute in Nase, Vagina und After, und sind hĂ€ufig asymptomatisch.
In seltenen FĂ€llen können die Gonokokken ĂŒber den Blutkreislauf im ganzen Körper verteilt werden (BakteriĂ€mie). Daraufhin kommt es zu Infektionen der Haut, die sich als hĂ€morrhagische Pusteln zeigen. Weiterhin kann es zur Infektion von Gelenken (purulente Arthritis) kommen. Diese tritt vor allem in den Gelenken der ExtremitĂ€ten auf und Ă€uĂert sich durch Schmerzen in mehreren Gelenken (Polyarthralgie) und Eiterbildung. Eine körperweite Gonokokken-Sepsis stellt ein schweres und lebensbedrohliches Krankheitsbild dar.
Andere, seit EinfĂŒhrung von Antibiotika aber selten gewordene Komplikationen sind EntzĂŒndungen der HirnhĂ€ute (Meningitis) und des Herzens (Endokarditis).
Extragenitale Formen
Auch bei Ărzten wenig bekannt sind Gonorrhoe-Infektionen fernab der Geschlechtsorgane. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind diese jedoch möglicherweise sogar hĂ€ufiger als die genitalen Formen. Recht hĂ€ufig ist eine Infektion im Bereich des Afters und des Rachens. Da Infektionen des Afters nur gelegentlich Beschwerden verursachen, Infektionen des Rachens fast nie, bleiben diese Infektionen meist unentdeckt. Daher empfehlen verschiedene Fachgesellschaften ein gezieltes Screening durch Abstrichuntersuchungen der Rachen-, After- und Harnröhrenschleimhaut, da nur so derartige Infektionen einigermaĂen zuverlĂ€ssig erkannt werden können. Symptomlose Infektionen heilen nach einigen Wochen meistens von selbst komplikationslos aus, stellen bis dahin aber ein Infektionsrisiko dar.cite-ref-10[10]
Diagnostik
Aus dem Harnröhrensekret oder dem Sekret des GebĂ€rmutterhalses kann ein Abstrich entnommen werden und der Erreger mikroskopisch mit Hilfe der Gram-FĂ€rbung oder in der Kultur nachgewiesen werden. WĂ€hrend dieser Nachweis bei symptomatischen MĂ€nnern sehr genau ist, ist er bei Zervizitis nur in etwa 50 % der FĂ€lle positiv. Ein anderes Verfahren ist der Nachweis von fĂŒr Neisseria gonorrhoeae spezifischen NukleinsĂ€uren. Die SensitivitĂ€t dieses Tests ist vergleichbar mit derjenigen herkömmlicher Kulturen, er ist aber preiswerter.
Bei angelegten Kulturen wird ĂŒblicherweise gleichzeitig ein Antibiogramm zur ĂberprĂŒfung auf eventuelle Resistenz gegen Antibiotika angelegt.
Therapie
Es ist eine antibiotische Behandlung notwendig. Dies waren ursprĂŒnglich ab 1897 das SilberprĂ€parat Protargol, entdeckt von dem deutschen Chemiker Arthur EichengrĂŒn, ab 1935 Sulfonamide von Domagk, und ab 1944 war Penicillin als Behandlung ausreichend.
Ende der 1960er Jahre wurden in Bangkok erste Resistenzen des Erregers Gonococcus gegen Penicilline festgestellt, diese stehen womöglich in Verbindung mit den örtlichen BordellstraĂen.cite-ref-11[11] Auf Grund der zunehmenden Resistenzentwicklung der Gonokokken wird die Gabe anderer Antibiotika, beispielsweise Cephalosporine oder Gyrasehemmer (hier besonders Fluorchinolone) empfohlen. Doch auch gegen die Fluorchinolone wird eine zunehmende Resistenz verzeichnet.cite-ref-cipro-12-0[12] So empfiehlt das Robert Koch-Institut nur noch Cephalosporine der Gruppe 3 in hoher Dosis, zum Beispiel Ceftriaxon oder Cefixim.cite-ref-13[13] Alternativen sind unter anderem Gaben von Cefotaxim oder Spectinomycin. Bei der Ophthalmia neonatorum kommt vor allem Ceftriaxon zum Einsatz.cite-ref-14[14] In Japan wurde im Mai 2011 erstmals ein Stamm beschrieben, der gegen alle Cephalosporine Resistenzen entwickelt hat.cite-ref-15[15] Inzwischen sind resistente StĂ€mme auch in Australien, Frankreich, Norwegen, Schweden und Kanadacite-ref-16[16] aufgetaucht. Die WHO warnte 2012, dass es in absehbarer Zeit fĂŒr Millionen Infizierte keine Heilung mehr geben könne.cite-ref-17[17]
Seit 2019 gibt es eine aktualisierte S2K-Leitlinie zur âDiagnostik und Therapie der Gonorrhoeâ. Demnach wird fĂŒr die Behandlung der unkomplizierten Gonorrhö eine Kombination der Antibiotika Ceftriaxon und Azithromycin empfohlen.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Bei einer komplizierten Gonorrhoe werden die gleichen Antibiotika ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum (sieben Tage bis einen Monat) angewendet. Neugeborenen-Infektionen können durch Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren heute weitestgehend vermieden werden.
Da Gonorrhoe hÀufig von einer Chlamydieninfektion begleitet wird, werden zu deren BekÀmpfung manchmal noch eine Woche lang zusÀtzlich andere Antibiotika, sogenannte orale Tetracycline, gegeben.
Wichtig ist auch die Behandlung der Sexualpartner, da es sonst zu einer immer wiederkehrenden wechselseitigen Ansteckung kommen kann (Ping-Pong-Effekt).
Vorbeugung (Prophylaxe)
Impfung
Seit einigen Jahren mehren sich Studien, die zeigen, dass der 4-Komponenten-Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB-4C) als Nebeneffekt einen etwa 30- bis 40-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit Gonokokken bietet.cite-ref-20[20] Dies wird der genetischen bzw. oberflĂ€chlichen Ăhnlichkeit von Neisseria meningitidis und Neisseria gonorrhoeae zugeschrieben.
England fĂŒhrt als erstes Land eine Impfung gegen Gonorrhoe ein, die ab August 2025 gezielt Risikogruppen wie homosexuellen und bisexuellen MĂ€nnern angeboten werden soll.cite-ref-0-21-0[21] Der Impfstoff basiert auf dem Meningitis-B-Vakzin und senkt Infektionen um etwa 30â40 %.cite-ref-0-21-1[21] Trotz begrenzter Wirksamkeit erhofft sich der NHS damit eine spĂŒrbare Verringerung der stark gestiegenen Fallzahlen und der wachsenden Antibiotikaresistenzen.cite-ref-0-21-2[21] Modellrechnungen zeigen, dass so bis zu 100.000 Infektionen und rund 8 Millionen Pfund Gesundheitskosten eingespart werden könnten.cite-ref-0-21-3[21] Fachleute werten die MaĂnahme als wichtigen Schritt fĂŒr die sexuelle Gesundheitsvorsorge.cite-ref-0-21-4[21]
Neugeborenenprophylaxe
Bei der CredĂ©-Prophylaxe wurde SĂ€uglingen unmittelbar nach der Geburt frĂŒher Silbernitrat-, heute meist Tetracyclin- oder Erythromycin-haltige Augentropfen in den Bindehautsack eingetrĂ€ufelt, um einer Neugeborenenblennorrhoe bei mĂŒtterlicher Gonokokken-Infektion vorzubeugen.
Geschichtliche Aspekte
Eine sehr frĂŒhe Beschreibung der Gonorrhoe mit Hinweisen zur Behandlung findet sich in den Schriften des Aretaios (ca. 80â138 n. Chr.), eines griechischen Arztes der hippokratischen Schule.cite-ref-aretaios-22-0[22] Bei Celsus heiĂt die Erkrankung âNimia profusio seminisâ.cite-ref-23[23]
Der Unterschied zwischen Harnröhrenausfluss und Samenfluss war bereits dem persischen Arzt Haly Abbas im 10. Jahrhundert bekannt.cite-ref-25[25]
Im Jahr 1837cite-ref-26[26] konnte erstmals durch den französischen Arzt Philippe Ricord der Nachweis erbracht werden, dass es sich, wie schon 1774 Johann Clemes Tode und andere vor diesem vermuteten,cite-ref-27[27] bei Gonorrhoe um eine eigenstĂ€ndige, von der Syphilis zu unterscheidende Krankheit handelt.cite-ref-28[28] Bis 1838 wurden zuvor beide Erkrankungen als morbus venereus (bzw. âLustseucheâcite-ref-29[29]) zusammengefasst.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] Im Jahr 1872 beschrieb Emil Noeggerath die gonorrhoischen Adnexerkrankungen.cite-ref-32[32] Albert Neisser entdeckte im Jahre 1879 erstmals die Gonokokken im Urethralabstrich bei seinem Patienten und Freund Stanislaw Kindermann,cite-ref-33[33] aus diesem Grunde wurde die gesamte Gruppe der Neisseria nach ihm benannt. Carl Siegmund Franz CredĂ© fĂŒhrte 1881 die nach ihm benannte Augen-Prophylaxe ein. Ernst Bumm gelang 1885 erstmals die Anzucht von Gonokokken.
In den Vereinigten Staaten von Amerika war Gonorrhoe â ebenso wie andere sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten â in den 1970er Jahren besonders unter mĂ€nnlichen Homosexuellen auĂerordentlich stark verbreitet. Die Schwulenrechtsorganisationen, die in dieser Zeit in groĂer Zahl entstanden, beklagten die VersĂ€umnisse der Gesundheitsbehörden, die keinerlei AufklĂ€rung darĂŒber leisteten, dass Gonorrhoe auch durch Oral- und Analverkehr ĂŒbertragen werden konnte. Diese Sexualpraktiken waren damals in den meisten amerikanischen Bundesstaaten strafbar. Auch Ărzte waren in der Regel nicht in der Lage, orale und rektale Formen von Gonorrhoe zu diagnostizieren, da die Patienten aus Furcht vor Strafverfolgung weder ĂŒber ihre sexuellen Gewohnheiten noch ĂŒber ihre Beschwerden sprachen. In vielen amerikanischen StĂ€dten richteten homosexuelle Organisationen daher eigene Kliniken ein.cite-ref-34[34]
Literatur
âą Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich. 2., ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 200 f.
âą Birgit Adam: Die Strafe der Venus. Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. Orbis, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-572-01268-6, passim.
âą Tinsley R. Harrison u. a.: Harrisonâs Principles of Internal Medicine. 17. Auflage. Mcgraw-Hill, New York 2008, ISBN 978-0-07-007272-5.
âą Enno Christophers, Markward StĂ€nder, Kathleen WĂŒste: Haut- und Geschlechtskrankheiten. 7. Auflage. Urban & Fischer, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-437-26710-8.
⹠Werner E. Gerabek: Gonorrhö (Tripper). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopÀdie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 502 f.
âą Dominique Puenzieux, Brigitte Ruckstuhl: SexualitĂ€t, Medizin und Moral. Die BekĂ€mpfung der Geschlechtskrankheiten Syphilis und Gonorrhö. ZĂŒrich 1994.
âą Walther Schönfeld: Medizinische FachausdrĂŒcke fĂŒr den âTripper der Harnröhre des Mannesâ in geschichtlicher Beleuchtung. In: Sudhoffs Archiv, 34, 1941, S. 169â178.
âą Walther Schönfeld: Von der örtlichen Behandlung des Trippers beim Manne mit Einspritzungen bis zur Entdeckung des Gonokokkus und den dabei verwendeten Spritzenformen. In: Sudhoffs Archiv, 35, 1942, S. 43â67.
Weblinks
Commons
: Gonorrhoe
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Gonorrhoe
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Tripper
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Gonorrhoe â Informationen des Robert Koch-Instituts
âą Kapitel Gonorrhoe. urologielehrbuch.de
Einzelnachweise
cite-note-11. â Tripper. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 22: TreibâTz â (XI, 1. Abteilung, Teil 2). S. Hirzel, Leipzig 1952 (woerterbuchnetz.de). trippen. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 22: TreibâTz â (XI, 1. Abteilung, Teil 2). S. Hirzel, Leipzig 1952 (woerterbuchnetz.de).
cite-note-22. â Heinrich Lippert: Die Pathologie und Therapie der venerischen Krankheiten. Nach Philippe Ricordâs neuesten VortrĂ€gen und Bemerkungen bearbeitet. B. S. Berendsohn, Hamburg 1846, S. 147 ff.
cite-note-33. â Die Strafe der Venus. Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. Orbis, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-572-01268-6, S. 14â17.
cite-note-who-epi-44. â Homepage der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und JugendgynĂ€kologie (Memento vom 2. August 2007 im Internet Archive) abgerufen am 1. Mai 2007.
cite-note-eurosurveillance-germany-55. â U. Marcus, O. Hamouda, W. Kiehl: Reported incidence of gonorrhoea and syphilis in East and West Germany 1990â2000 â effects of reunification and behaviour change. In: Eurosurveillance. 10, Nr. 43, 25. Oktober 2001.
cite-note-66. â WHO-Experten warnen vor unheilbarem Tripper. Welt Online, 6. Juni 2012; abgerufen am 10. Juli 2017
cite-note-rki-epi-77. â Epidemiologie der Gonorrhoe. (PDF) In: Bulletin, Robert Koch-Institut; abgerufen am 24. September 2012.
cite-note-cdc-epidem-88. â STD-Surveillance 2005 on Gonorrhea. (Memento vom 5. Oktober 2007 im Internet Archive) CDC (englisch); abgerufen am 18. Mai 2007
cite-note-99. â Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle (= BĂŒcherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 52.
cite-note-1010. â Gonorrhö und Chlamydien bei MĂ€nnern, die Sex mit MĂ€nnern haben. In: RKI (Hrsg.): Epid. Bull. Nr. 9, MĂ€rz 2006 (rki.de [PDF]).
cite-note-cipro-1212. â Public Health Agency of Canada (Memento vom 2. Juni 2008 im Internet Archive) (englisch) abgerufen am 3. Mai 2007
cite-note-1313. â Zum Auftreten von Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae im Rhein-Main-Gebiet. In: RKI (Hrsg.): Epid. Bull. Nr. 13, MĂ€rz 2009 (rki.de [PDF]).
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